· 

Analogisierst du noch oder digitalisierst du schon?

Die Kommunikationstrainerin Sabine Vana-Ströhla arbeitet seit 2010 als Honorardozentin und Beraterin für Firmen, Universitäten, Hochschulen, Ministerien und Organisationen sowie als Lehrbeauftragte der TU Ilmenau. Das Augenmerk ihrer Veranstaltungen liegt auf der Auseinandersetzung mit den Themen der zwischenmenschlichen Kommunikation.
 
Doch aufgrund der Corona-Pandemie veränderten sich auch bei ihr die Arbeits- und Lebensbedingungen. Ohne große Vorbereitung arbeitete ab sofort ein Großteil der Bevölkerung im Home-Office. Dienstberatungen, Meetings, Absprachen und Konferenzen wurden größtenteils mit virtuellen Tools durchgeführt. Mithilfe ihrer langjährigen Erfahrung im Umgang mit zwischenmenschlicher Kommunikation hat Sabine Vana-Ströhla Web-Talks als Veranstaltungstool unter die Lupe genommen.
 
Welche Vorteile gibt es beim Einsatz von virtuellen Tools?
 
„Eine digitale Veranstaltung kann ortsunabhängig stattfinden.“ (Sabine Vana-Ströhla, 2020)
 
Der größte Vorteil von virtuellen Tools liegt in der Zeitersparnis und der Ortsunabhängigkeit. So muss man keine langen Anfahrten zum Durchführungsort einer Veranstaltung mehr in Kauf nehmen, sondern kann diese Zeit produktiv für andere Tätigkeiten nutzen. Schließlich ist ein Zugriff auf eine virtuelle Veranstaltung von fast überall möglich – vom Home-Office bis zum Büroschreibtisch, vorausgesetzt man hat eine stabile Internetverbindung ;) . Die Möglichkeit der Aufzeichnung erlaubt es außerdem, diese zu jeder Zeit im Nachhinein nachzuschauen.
 
Eine weitere Chance der Nutzung von Online-Tools liegt in der Vertiefung des Wissens im Umgang mit digitalen Medien, das für den „modernen“ Mitarbeiter unabkömmlich ist.
 
„An einer digitalen Medienkompetenz kommt kein Mitarbeiter in einem modernen und innovativen Unternehmen vorbei.“ (Sabine Vana-Ströhla, 2020)
 
Dabei kommt es dem Mitarbeiter zu Gute, dass die gängigen Plattformen (Zoom, WebEx, 3D Lernspace,…) ähnliche Funktionalitäten besitzen. Dies führt dazu, dass die Nutzung auch für weniger technikbegeisterte Mitarbeiter wesentlich erleichtert wird.
 
Welche Nachteile gibt es beim Einsatz von virtuellen Tools?
 
Neben den aufgezählten Vorteilen zeigen sich auf der anderen Seite auch einige Schwierigkeiten, auf die man bei der Nutzung von virtuellen Tools stößt.
 
„Der direkte Kontakt zwischen den Teilnehmenden fehlt natürlich. Man erhält nur schwer Rückmeldung, da Mimik und Gestik nicht oder nur schwer erkennbar sind. Da geht ein wesentlicher Teil der Kommunikation verloren“ (Sabine Vana-Ströhla, 2020)
 
Statt einer face-to-face Kommunikation einer Präsenzveranstaltung wird Bild und Ton bei einem Online-Meeting über das Internet übermittelt, wodurch die Feedbackoption eingeschränkt wird. Dies ist gerade für den Referenten eine unschöne Beeinträchtigung. Des Weiteren wird in Online-Seminaren ein höherer Zeitbedarf für ein Thema benötigt als in Präsenzveranstaltungen. Eine schlechte Internetverbindung kann zu einer fehlerhaften Übertragung und zu Störungen der virtuellen Veranstaltung führen.
 
Ein weiteres Hindernis ist, dass die Aufmerksamkeit der Teilnehmer durch immer längere Bildschirmverweilzeiten noch stärker beansprucht wird. Dies erfordert eine hohe Selbstdisziplin aller Teilnehmer, um die Produktivität einer solchen Veranstaltung zu garantieren.
 
Tipps der Kommunikationstrainerin für eine erfolgreiche Durchführung einer virtuellen Veranstaltung
 
1.    Technik: Vor dem Start ins eigentliche Thema sollte immer abgefragt werden, ob alle Teilnehmer Ton und Bild empfangen können.
 
2.    Struktur: Zu Beginn zunächst die Struktur und den Ablauf der Veranstaltung klar verdeutlichen.
 
3.  Einfachheit: Der Fokus der Referenten sollte auf der Verdeutlichung der wichtigsten Fakten und Kernaspekte liegen. Weiterführende Punkte können über anschließende Fragen bspw. im Chat beantwortet werden.
 
4.    Funktionalitäten: Vorab ist es wichtig, dass der Referent alle benötigten Funktionen, Links und Präsentationen testet.
 
5.    Dauer: Die maximale Dauer einer Session sollte 60-90 Minuten nicht überschreiten. Längere Veranstaltungen erfordern eine kurze Biopause.
 
Basierend auf ihren Erfahrungen mit der Durchführung von Online-Veranstaltungen zieht Sabine Vana-Ströhla ein positives Fazit zum Einsatz von virtuellen Tools und sieht großes Potential für die Zukunft: „Aus meiner Erfahrung ist die Einarbeitung in die meisten virtuellen Tools relativ einfach und die Qualität gut. Diskussionen sind möglich, sollten eingefordert und durchgeführt werden. Ich denke, dass zukünftig eine Kombination aus virtueller Veranstaltung und Präsenzveranstaltung kommen wird, wenn eine sinnvolle und durchdachte Handhabung beider Veranstaltungsformen gegeben ist.“